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Woher kommt der Ausdruck "Spielmannszug"
und woher die Marschmusik?

Spielmann (Plural Spielleute) kommt vom mittelhochdeutschen Wort "spileman", mit dem im 12./13. Jahrhundert ein Possenreißer und Musikant bezeichnet wurde, der zum Lohn- bzw. Broterwerb seine Künste an Höfen und zu Festzeiten vorführte. Im früheren deutschen Heer war der Spielmann ein Trommler, Pfeifer oder Hornist der Infanterie.

Das Wort Tambourcorps, das auch in unserem Namen wiederzufinden ist, ist ein Synonym für Spielmannszug. "Tambour" kommt aus dem französischen und bedeutet Trommel, Trommler. Beim Militär nennt man einen Trommler Tambour. Da man mit Corps einen Verband des Heeres bezeichnet, ergibt sich hieraus der Ausdruck "Tambourcorps".

Unsere Marschmusik hat ihren Ursprung in der Militärmusik, deren ältestes Instrument die Trommel ist. Ihr Zweck war es, den Rythmus insbesondere beim Marschieren anzugeben und Signale zu geben.

Im 13. Jahrhundert, zur Zeit der Landsknechte, alarmierte sie die Truppe beim Herannahen des Feindes und sie diente zur Begleitung von Liedern. Bei gedämpften Klängen wurde jemand zu Grabe getragen oder zum Richtplatz geführt.

Zu den Tönen der Trommel wurde dann auf der Querpfeife die lustige oder traurige Melodie gespielt. So waren unsere heutigen Instrumente vereint. Zwar wurden im 18. Jahrhundert die Trommeln und Pfeifen von Blasinstrumenten aus ihren ursprünglichen Rollen beim Militär verdrängt, aber sie wurden bei den Kapellen belassen, aus denen sich später die heute bekannten Spielmannszüge herausbildeten.

Geschicht(ch)en zu Märschen

Wir können "nur" auf eine sechzigjährige Vergangenheit zurückblikken. Viele Märsche aber sind über hundert Jahre alt.

Von den Geschichten, die man sich über Märsche erzählt, sind hier einige zusammengetragen, wobei wir uns auf Märsche unseres Repertoires beschränken wollen.

Einige mögen es wissen, andere jetzt aber staunen, denn kein geringerer als Ludwig van Beethoven hat Märsche komponiert. Aus seiner Feder stammt beispielsweise der Yorksche Marsch.

Der Badenweiler Marsch wurde zu Beginn des Ersten Weltkrieges vom bayerischen Musikmeister Karl Fürst komponiert. Nach einem harten Gefecht des königlich bayerischen Leibregiments bei Badonviller in den Vogesen hörte er die Hupen der Sanitätsautos (ta-taa, ta-taa, ta-taa) und die Idee zum Badenweiler Marsch war geboren.

Dadurch daß sich die Nazis im Dritten Reich bei ihren Aufzügen dieses Stückes bedienten, wurde der Badenweiler Marsch verständlicherweise lange Zeit nicht gern gehört. Dies hat sich inzwischen allerdings wieder geändert.

Eine ähnliche Geschichte verknüpft sich mit dem Egerländer Marsch. Die Tschechoslowakei wurde, um die Sudetenländer zu befreien, vom Dritten Reich unter Druck gesetzt. Während dieser Zeit wurde dort im Rundfunk zu allen Sondermeldungen dieser Marsch gespielt, obwohl sein Rhythmus überhaupt nicht zu den veröffentlichten drohenden Meldungen passte.

Im Jahre 1889 bekam der 25-jährige Hoboist Carl Teike die Notenblätter eines neuen von ihm komponierten Marsches vom Musikmeister der Regimentskapelle des Grenadierregiments König Karls mit den Worten zurück: "Märsche haben wir genug; den können wir nicht gebrauchen, den stecken Se man in den Ofen."

Carl Teike war daraufhin jegliche Lust am Weiterdienen vergangen. So feierte er mit seinen Kameraden den Abschied aus der Truppe. Nach einigen Glas Bier wurde er gefragt, ob der "Ofen-Marsch" schon einen Namen hätte. Er antwortete: "Nein, er hat noch keinen, er liegt noch bei mir zu Hause." In dieser Abschiedsstimmung wurde dann der Name Alte Kameraden geboren.

Carl Teike verkaufte die Recht an diesem Marsch für ganze 25 Mark (seinerzeit etwa der Wochenlohn eine Arbeiters) an einen Stettiner Musikverlag.